Altreifen entsorgen: Darauf kommt es an!

Zu abgefahren, zu alt, zu kaputt – viele Sommerreifen müssen beim bevorstehenden Wechsel im Frühjahr ausrangiert werden. Rund 500 000 Tonnen Altreifen fallen laut Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie (wdk) hierzulande dabei jährlich an. Bleibt die Frage: Wohin damit? Schließlich will man die Umwelt schonen und rechtssicher handeln. Stephan Rau, Technischer Geschäftsführer beim wdk, beantwortet die wichtigsten Fragen der Autofahrer. 

Warum ist die fachgerechte Entsorgung von Altreifen so wichtig?

Sie ist essenziell, um Ressourcen zu schonen. Altreifen bestehen aus komplexen Materialgemischen  einschließlich Gummi, Stahl und Textilien, die durch umweltgerechte Prozesse wiederverwendet oder recycelt werden können. Sowohl der wdk als auch das Netzwerk Allianz Zukunft Reifen (AZuR),  das sich in Europa für eine klimafreundliche Reifen-Kreislaufwirtschaft  einsetzt, plädieren für ein geschlossenes Kreislaufsystem. Nur so landen diese wichtigen Rohstoffe wieder in der Wertstoffkette.

Wohin mit den ausrangierten Pneus?

Die Entsorgung ausgedienter Reifen erfolgt in der Regel über Fachbetriebe wie Reifenhändler, Kfz-Werkstätten oder kommunale Sammelstellen, die sie an spezialisierte, zertifizierte Entsorgungsunternehmen weiterleiten. Diese Unternehmen sind Teil von Netzwerken wie ZARE (Zertifizierte Altreifenentsorger) oder eben AZuR. Beide führen die Altreifen dem bestmöglichen Recyclingverfahren zu. 

Und was ist mit Kompletträdern?

Kompletträder, die sowohl Reifen als auch Felgen umfassen, sind getrennt zu behandeln. Reifen werden recycelt, während Felgen, die häufig aus Aluminium oder Stahl bestehen, in die Metallverwertung gehen. Werkstätten bieten oft die Demontage und Entsorgung beider Komponenten an.

Mit welchen Kosten müssen Autofahrer rechnen?

Die Gebühren variieren je nach Anbieter und Region. Üblicherweise fallen Kosten zwischen zwei und fünf Euro pro Reifen an. Bei größeren Mengen oder speziellen Anforderungen wie die Abholung vor Ort können sie auch höher ausfallen. Ziel ist eine möglichst transparente Preisgestaltung, sodass illegale Praktiken vermieden werden.

Gibt es auch einen Abholservice?

Ja, viele Entsorgungsunternehmen bieten ihn insbesondere für größere Mengen an. Der Service ist vor allem für Unternehmen wie Flottenbetreiber oder landwirtschaftliche Betriebe relevant und soll nach Aussagen der Netzwerke künftig noch effizienter und zugänglicher gestaltet werden.

Welche Bußgelder drohen bei unsachgemäßer, illegaler Entsorgung – beispielsweise auf der Mülldeponie oder im Hausmüll?

Die Strafen sind empfindlich und nötig, um die illegale Entsorgung zu verhindern und die Umwelt zu schützen. Je nach Bundesland und Schwere des Verstoßes werden zwischen 100 und 50.000 Euro fällig. 

Wo landen schlussendlich all die Altreifen?

Sie werden runderneuert, stofflich oder chemisch recycelt. Ein kleiner Teil findet Einsatz in der energetischen Verwertung. Während beim Recycling die Rohstoffe zurückgewonnen werden, dienen die Reifen bei der energetischen Verwertung in Zementwerken als Brennstoff.

Nach Erhebungen des wdk werden in Deutschland heute bereits mehr als zwei Drittel der Altreifen recycelt und weniger als ein Dritter der thermischen Verwertung zugeführt. Mit der Förderung innovativer Recyclingmethoden sollen künftig noch mehr Wertstoffe  im Kreislauf gehalten werden, so das Anliegen von AZuR. 

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